Montag, 10. September 2007

Das Handeln als fester Teil der indischen Geschäftskultur

Ob nun der Rikshaw-Fahrer oder der Händler auf dem Basar. Alle "geschäftstätigen" Menschen in Delhi sehen natürlich, dass ich ein vermeintlich wohlhabender Westweltler bin. Das sich dieser Eindruck eigentlich immer auf die Preise, die ich bei jeglicher Dienstleistung zu zahlen habe, auswirkt, kann ich diesen Menschen nicht mal übel nehmen. Ich bin ja schließlich selbst ein Handlungsreisender, der eben diese Geschäftstaktik hier noch mehr verinnerlichen soll.
Witzig ist allein der Fakt, dass das Handeln hier immer auf die gleiche Art und Weise abzulaufen scheint.
Beispiel gestern. Tatort Palika Bazaar. Ich habe einen kleinen Shopping-Ausflug mit meiner deutschen Bekanntschaft Michelle gemacht, die hier allerdings nicht zum Arbeitszweck verweilt, sondern ihre Lorbeeren im Studienfach "Social Work" sammelt.
Der Palika Bazaar ist ein direkt am Connaught Place (also im Zentrum) unterirdisch gelegener Basar, der überwiegend Plagiate feilbietet. Meine Aufmerksamkeit sollte sich an diesem Tage besonders auf DVD's und Unterhaltungselektronika generell richten. Besonders die Staffeln eins und zwei der amerikanischen Erfolgsserie "Prison Break" standen auf meinem Einkaufszettel. Da unser Äußerliches eine unglaubliche Zahlungskraft zu suggerieren scheint, wurden wir von den Verkäufern regelrecht in die kleinen, dort ansässigen, Läden hineingestikuliert. Schon bald wurde ich fündig und der Verkäufer bot mir einen Preis von 1.200,- Rupees (in etwa EUR 24,- für 12 DVD's). Ich erwähnte, dass der mir offerierte Preis wesentlich zu hoch sei und drehte mich um, den Ausgang des Geschäftes fest vor Augen. Ich kam nicht allzu weit, da ich direkt zum Gegengebot aufgefordert wurde. Ich sagte im Scherz "500,- Rupees" und war dann doch überrascht, als der Verkäufer mit "Okay with 600,- im fine" konterte. Schlußendlich zahlte ich 500,- Rupees (zehn Euro) und bin mir immer noch relativ sicher über's Ohr gehauen worden zu sein. Aber meinem Motto als Kaufmann "Leben und leben lassen" bin ich gefolgt.
Was lehrt mich aber diese Geschichte?
1. Biete immer weniger als die Hälfte des angebotenen Preises
2. Der Verkäufer wird Dich entgeistert angucken und "no" oder "nahi" sagen
3. Du wirst Dich umdrehen und versuchen herauszugehen (die Kür und der wichtigste Teil ist dabei so ernst wie möglich auszusehen - denn Du weißt, dass gleich Schritt 4 kommt)
4. Der Verkäufer ruft Dich zurück und wird ein Gegengebot machen, das in der Nähe Deines Wunschpreises liegt
5. Du beharrst auf Deinem Preis und bekommst ihn
6. Beide sind glücklich
(ausführlicher geschilderte Tipps werden bald im gut sortierten Buchhandel unter "Handeln - 6 Tipps zum Erfolg" zu finden sein)

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